Zwei Monate in Bali

Dass die Zeit wie im Fluge vergeht wissen wir ja alle und dass das auf einer längeren Reise nicht anders ist, das ist dann wohl eher keine grosse Überraschung 😉. In dem Sinne sind auch unsere acht Wochen hier auf Bali ziemlich schnell vorbei gegangen. Allerdings wussten wir zu Beginn gar nicht so genau, wie wir die Zeit mit Aktivitäten füllen sollen, denn die Insel ist nicht sehr gross und da wir nicht die typischen Instagram-Touristen sind, von welchen es hier auf Bali SEHR viele gibt, wollten wir auch nicht alle von diesen gehypten Foto Spots besuchen.

Einer davon sind die Reisterrassen von Tegalalang. Die Felder werden zwar weiterhin mit Reis bepflanzt und dieser auch aufgezogen und geerntet, aber der Hauptfokus liegt auf den Instagram Touristen. Überall wurden riesige Schaukeln aufgebaut und riesige Sitzgelegenheiten in Herzform (oder andere Formen). Auf dem Gelände selbst wird man immer wieder um “Spenden” gebeten um vom einen Reisfeld ins nächste zu gelangen ‘hmmmm’ und Kinder verkaufen Postkarten (angeblich für ihre Schule) und sonstiges Zeugs. Das es funktioniert konnten wir mehrfach beobachten. Die Swings sind gut besucht und die Girls bringen sogar verschiedene Outfits mit, um sich in den Bildern in Szene zu setzen. Auch am kleinsten Wasserfall wirft man sich dramatisch in Pose und die Freundin fotografiert wie wild.

Wir geben zu, dass wir uns darüber köstlich amüsiert haben, aber irgendwann kommen einem die Gedanken, in was für einer unwirklichen digitalen Welt wir uns befinden und man wird ziemlich nachdenklich. Manche Menschen scheinen mehr Zeit und Energie für die Entwicklung ihres digitalens Ich’s zu verwenden als an ihrer “echten” Person zu arbeiten. Das Gleiche gilt auch für die Bilder, welche man online findet wenn man nach dem Stichwort Bali sucht. Wunderschöne dschungelartige Landschaften, unberührte Reisterrassen, Wellen mit Surfern, herrliche Strände im Sonnenuntergang oder -aufgang und natürlich Tempel.

In der Realität ist es auch wirklich sehr schön, aber dazu kommen grössere und kleinere Berge von Abfall, welche überall herumliegen. Abfall findet sich überall. Am Wegrand, im Hinterhof, auf den Baustellen (es wird einfach drüber gebaut), im Wald, am Meer, im Meer, in den Wasserversorgungsrinnen zur Bewässerung der Reisfelder und auch die Reisfelder sind damit verschmutzt. Der Abfall wird regelmässig und überall verbrannt und die giftigen Dämpfe ziehen durch die Gassen und Strassen. Viele der Einheimischen sind sich des Problems nicht wirklich bewusst, denn nur den wenigsten wird erklärt, dass diese Dämpfe krebserregend sind und der Plastik seinen Weg zurück in ihre Lebensmittel findet. Da die Regierung sich nicht in allen Dörfern um die Abfallentsorgung kümmert (man muss einen Transporter anrufen, damit der den Müll abholt) gibt es eigentlich auch keine andere Möglichkeit diesen zu entsorgen und die vielen Touristen machen die Sache nicht zwingend einfacher. Während ich diesen Artikel schreibe sticht mir der penetrante Geruch von verbranntem Plastik in die Nase ‘börks’.

An den Stränden sind inzwischen internationale Organisationen (wie z.B. 4Ocean) tätig, welche versuchen den Abfall aus dem Meer und von den Stränden zu holen und die lokale Bevölkerung organisiert sich mit Trash Hero Projekten, was auf jeden Fall ein guter Anfang ist. Wie in vielen Ländern welche wir in den letzten 16 Monaten besucht haben braucht es aber eine massive Aufklärung der Bevölkerung und ein Engagement der Regierung um eine wirkliche Änderung bewirken zu können. Wir setzten uns seit unserer Reise intensiv mit den Themen Umweltschutz, ökologischer Fussabdruck und den Möglichkeiten auseinander, was wir tun können und tun müssen um etwas verändern zu können. Wir haben durch Recherchen bereits viel gelernt und begonnen unser eigenes Verhalten umzustellen (z.B. ernähren wir uns zum grössten Teil vegetarisch, wir kaufen grossen 19 Liter Flaschen Trinkwasser und füllen unsere Flaschen auf anstatt immer wieder neue zu kaufen, das Gemüse kaufen wir ohne Plastikseckli und auch die Einkäufe werden im Rucksack statt Plastiktüte heimgetragen). Erschreckend ist, dass in unserer entwickelten Schweiz viele Menschen in einer heilen Scheinwelt leben und das Gefühl haben, dass sie das Ganze nichts angeht…

Summa summarum haben wir in den letzten Wochen doch sehr viel gesehen. Am meisten fasziniert haben mich die wunderschönen Statuen mit so vielen Details, dass es den Künstler vermutlich sehr lange beschäftigt hat. Auch die filigranen Holzschnitzereien und die wunderschön gearbeiteten traditionellen Häuser und Zeichnungen in den Museen haben mich total in ihren Bann gezogen. Erinnert hat mich vieles an ein Comicbuch (Yoko Tsuno), welches Nina und ich früher immer gelesen haben😃.

Wir haben viele Tempel und einige Museen besucht, viele Zeremonien gesehen, sehr viele herzliche, freundliche und immer interessierte Balinesen getroffen und viel Zeit im Grünen und am Meer verbracht. Auch unsere Airbnb Hosts und Gastfamilien in den Homestays, Expats und Reisende aus aller Welt welche wir während unseres Aufenthalts kennengelernt haben, werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Bali hat für uns essenstechnisch sehr viel geboten und wir würden nur schon dafür sofort wieder hierher reisen. Die Reise geht nun morgen weiter nach Kuala Lumpur und von dort mit dem Zug nach Bangkok.

Vielen Dank für’s Lesen und wie immer freuen wir uns über Kommentare :).