Puno und Uros

Puno ist ein peruanisches Städtchen direkt an der Grenze zu Bolivien. Sie liegt am peruanischen Teil des Titicaca Sees und hat noch einen deutlichen bolivianischen Einschlag. Wir fühlen uns also noch nicht wirklich wie in Peru ;).

Am ersten Nachmittag machen wir einen Ausflug zur Inka und Prä-Inka Grabstätte Sillustani. Hier wurden die Mumien der Führer von den Prä-Inkas und Inkas in Grabtürmen beerdigt. Es gibt jeweils immer zwei Türme (Chullpas genannt). Der eine symbolisiert die Weiblichkeit und der andere die Männlichkeit. Die Inkas und ihre Vorfahren glaubten an eine Wiedergeburt und daher wurden ihre Mumien in Fötus Stellung in den weiblichen und männlichen Türmen (Vereinigung von Mann und Frau und daher Entstehung eines neuen Lebens) begraben. Die Inkas wurden zudem noch mit den geopferten Familienangehörigen, sowie Essen und Getränken begraben. Es wurden jeweils nicht die ganzen Familien sondern «nur» einige davon geopfert um den Führer ins neue Leben zu begleiten.

Am Tag darauf übersiedelen wir auf eine der schwimmenden Inseln von Uros, wo wir zwei Nächte verbringen werden. 

Um 14 Uhr werden wir vom B&B abgeholt. Es klappt alles einwandfrei. Der Fahrer bringt uns zu einer Art Hafen und von dort geht es mit einem kleinen Motorboot zur Insel Uros Arumo Uro bringt, wo wir zwei Nächte verbringen. Elsa (die Chefin) erwartet uns bereits am Steg. Sie zeigt uns unser Zimmer resp. Unser eigenes kleines Haus aus Schilf mit drei Betten drin. Wir suchen uns das mit der härtesten Matratze aus und machen vorsichtshalber schon mal unsere Schlafsäcke bereit, denn in der Nacht fallen die Temperaturen auf unter Null.

Wir geniessen die restlichen 2-3 Stunden bis zum Sonnenuntergang mit chillen in den beiden Hängematten, spielen mit den zwei Kindern der Inselbesitzer und mit faulenzen. Es gibt hier zwei Inselmaskottchen. Martín und Martina die beiden weissen Fischreiher laufen den Besitzern hinterher wie Hunde :D. Vor allem Martín ist viel präsent und es macht Spass ihn zu beobachten. Viel mehr kann man hier auch nicht machen.

Später kommen Judith und Stefan (ein Schweizer Paar) von ihrem Ausflug mit Juan (dem Mann von Elsa) zurück und wir unterhalten uns bei einem warmen Tee am Feuer, welches Juan ansteckt. Um 18 Uhr gibt es bereits essen (eine warme Suppe und grillierte Forelle mit Kartoffeln) und um 19 Uhr ist es bereits stockdunkel draussen und die Insulaner gehen schon bald zu Bett. Aber vorher werden noch heisse Bettflaschen an alle Gäste verteilt.

Uns Schweizern ist es zu früh und Stefan steckt das Feuer nochmals an und wir sitzen noch ca. 1 ½ Stunden am Feuer. Danach ist es uns allen zu kalt und wir verziehen uns in unsere Hütten. Wir ziehen unsere langen Merino T-Shirts und die dicken Merinosocken an und kriechen in unsere Schlafsäcke unter 5 Decken. Dennoch ist uns kalt und wir geben die Übung mit noch etwas lesen bald auf. Es ist doch eher gewöhnungsbedürftig, dass sich das ganze Haus bewegt und es so kalt ist. 

Nach einer kalten und relativ unruhigen Nacht wachen wir früh auf und machen uns bereit für das Frühstück. Wir wollen um 8:20 losfahren um auf einer Tour zur Insel Trujillo mit dabei zu sein. Elsa hat gestern bei der Agentur angerufen um uns anzumelden und Juan fährt uns im Boot zum Treffpunkt.

Dort angekommen gibt es eine Diskussion, weil offenbar weder der Tourguide noch der Kapitän etwas von unserer Teilnahme wussten. Beide sind uns sofort unsympathisch. Sie sprechen eigentlich nicht mit uns und während die anderen Gäste eine Fahrt auf einem typischen Schilfboot unternehmen werden wir auf dem Motorboot stehengelassen resp. Man weisst uns einen Platz vorne beim Kapitän, zu den wir einzunehmen hätten. Wir werden informiert, dass der Tourguide Juan anrufen wird sobald die Tour beendet ist, damit er uns auf der gleichen Insel wieder abholen kann. Wir werden sehen ob das klappt…

Sobald die restlichen Gäste zurück sind setzen wir uns zuerst brav auf unseren Platz. Als wir merken, dass es eigentlich niemanden interessiert was wir machen setzen wir uns nach draussen in die Sonne. Dort SCHLAFEN beide Tourguides die ganze Fahrt zur Insel und auch der Kapitän haut sich zuoberst an Deck aufs Ohr und lässt den Junior fahren. Wir fragen uns für was wir 25 Dollar für pennende Kapitäne und Tourguides bezahlen, wenn die sich nicht im geringsten für Ihre Gäste interessieren.

Drei Stunden später sind alle wieder auf und wollen jetzt erzählen was man links und rechts in den letzten drei Stunden gesehen hätte und was es auf der Insel mit 2'000 Einwohnern zu sehen gibt. Zugegeben, die Tradition, dass sich der heiratswillige Mann eine Kappe in einer bestimmten Farbe und mit einem bestimmten Muster stricken muss ist interessant, aber auch nicht weltbewegend.

Auf der Insel angekommen erklimmen wir den Weg zum hochgelegenen Dorfplatz wo wir unser Mittagessen einnehmen werden. Auch hier gibt es gegrillte Forelle mit Reis und Gemüse sowie eine Quinoa Suppe. Während dem Essen erzählt der jetzt plötzlich eifrige Tourguide Moses einiges über die traditionellen Gewänder und die verschiedenen Traditionen für die Heirat. Die Frau darf wie immer mehr machen. Sie strickt eine Tasche, in welcher Cocablätter aufbewahrt werden, schneidet sich das lange Haar ab und webt daraus einen Gürtel für den Auserwählten und strickt einen weiteren Gürtel für den Mann. Beide Gürtel resp. Schals, sowie die von ihm gestrickte Mütze, trägt er ab der Heirat immer. Was die Frauen vor und nachher tragen wird nicht erwähnt (ich werde noch zur Frauenrechtlerin auf dieser Reise…).

Nach dem Essen haben wir 20 Minuten Zeit um den Dorfplatz zu bestaunen, welchen man in 5 Minuten gesehen hat. Wir setzen uns auf die Stufen, Marco trinkt einen Kaffee und wir warten, bis es weitergeht. Wir folgen dem zweiten, höchst unmotivierten Tourguide Cesar, welcher uns auf die andere Seite der Insel bringen soll. Er spricht kein Wort, erklärt nix und ist daher eigentlich sinnlos.

Zu sagen ist, dass die Landschaft und die Menschen hier wunderschön und super nett sind (ausser die Tourguides und der Kapitän).

Zurück auf dem Boot erinnern wir den Guide daran, dass er nicht vergessen soll uns wie verabredet auf der Insel abzusetzen und unseren Gastvater anzurufen. Der Guide hat schon wieder gepennt und wir sind wenig zuversichtlich, dass alles klappt.

Als wir auf die schwimmenden Inseln zusteuern werden wir vom zweiten Guide Cesar aufgefordert ihm zu folgen. Mitten in einem der Kanäle hält das Boot und der griesgrämige Kapitän kommt mit vorwurfsvoller Mine zu uns und fragt wieso unser Gastvater sein Telefon nicht abnimmt und ob wir denn keine andere Nummer hätten. Äääääh nei Altä hämmer nöd!!! Er hätte jetzt x-mal versucht ihn anzurufen und er hätte uns hier – mitten auf dem Wasser wohlbemerkt – abholen sollen. Dass davon nie die Rede gewesen ist scheint niemand zu bemerken.

Die peruanische Lösung des Problems schaut so aus: Man finde eine hilfsbereite Uros Familie die den Besitzer der anderen Insel kennt, setzte die beiden Gringos auf der Insel ab und sag ihnen, dass du den Gastvater weiterhin anrufst.

Wir beide also mit sehr liebenswerten Uros Bewohnern auf einer Insel gestrandet. Wir lassen uns nichts anmerken und stellen uns den Insulanern vor und unterhalten uns. Sie erklären uns, dass Marco, der eine Bewohner, uns mit seinem Boot zu unserer Insel fahren wird. Vorher dürfen wir zuschauen wie die Mutter Anchovis (Sardellen) aus dem See ausnimmt (kann ja irgendwann mal hilfreich sein) und uns erklärt, wie man sie zubereitet. Die Hilfsbereitschaft dieser Menschen und ihr grosses Herz ist wirklich unglaublich.

Wir setzen uns in Boot und tuckern zu unserer Insel. Dort diskutieren die beiden Herren dann darüber, ob der eine dem anderen das Benzin für die Überfahrt der Touristen bezahlt. Willkommen in Peru :D