Arequipa, Colca Canyon & Colca Valley

Wir sind wie immer viel zu früh vor Ort. Allerdings haben uns die vergangenen Busreisen doch einiges gelehrt. 1. Erkundige dich IMMER am Schalter des gebuchten Busunternehmens danach wann und wo der Bus abfährt. 2. Erkundige dich, ob eine lokale Taxe am Busbahnhof entrichtet werden muss.

Erstaunlicherweise gibt es bei Cruz del Sur (das von uns gebuchte Busunternehmen) sogar ein Gepäck Check-in, welches 1 Stunde vor Abfahrt öffnet. Wir sind angenehm überrascht. Wir kaufen uns in den Läden was zum Mittagessen und setzen uns bis zur Abfahrt noch etwas in die Sonne.

Der Bus zählt zu den moderneren, denn er verfügt über ein individuelles Bordunterhaltungssystem in jedem Sitz und somit können wir uns ein paar Filme auf der Fahrt anschauen. Zudem über zwei Toiletten, Kissen und Decken. Der einzige nicht so tolle Punkt ist die unfreundliche und offensichtlich ab Touristen resp. ab mir genervte Hostess die die Fahrt begleitet. Ich habe sie offensichtlich bereits beim Einsteigen nicht begeistert, als ich meine Sitznummer nicht auswendig wusste (und sie wohlbemerkt mein Ticket in der Hand hielt und ich mit 14 anstatt 13 nicht viel daneben lag) ‘hachdasistaberauchimmeranstrengendmitdiesenGringos’.

Um 21 Uhr kommen wir in Arequipa an, holen unser Gepäck am Gepäckausgabeschalter (ACHTUNG auch ein riesen Unterschied zu Argentinien und Chile wo du dein Gepäck direkt beim Bus abholst) und teilen uns mit einer jungen Brasilianerin ein Taxi in die Stadt.

Unser Hostel (Le Foyer) liegt mitten in der Langstrasse von Arequipa und wir sind zuerst mal etwas, naja, ermattet. Als uns die Rezeptionistin dann ein Zimmer im ‘Kellergeschoss’ und ohne Fenster (nur ein kleines in der Türe) zuweist sind wir zuerst nicht sonderlich begleistert. Beim Betreten realisieren wir aber, dass es hier deutlich weniger laut und eigentlich ganz gemütlich ist. Auch der Rest von Arequipa gefällt uns gut.

Am nächsten Tag machen wir die Free Walking Tour Arequipa um 10 Uhr mit. Leider gibt es nur eine englischsprachige Gruppe und der Guide kann zumindest mich auf Englisch nicht überzeugen. Ich vermute, dass er auf Spanisch deutlich besser gewesen wäre. Immerhin sehen wir etwas von dem hübschen Städtchen Arequipa und geniessen danach ein tolles Mittagessen mit Weisswein im Restaurant Pasta Canteen mit anschliessender Crêpe mit Queso Helado (eine lokale Glacéspezialität aus Milch, Zimt, Kokos und Vanille).

Die Hausvulkane von Arequipa Chachani, Misti (aktiv, schlafend) und Pichu Pichu bieten eine eindrückliche Kulisse um die Stadt.

Danach streifen wir noch etwas durch die Stadt und ruhen uns danach im Hotel etwas aus. Um 19 Uhr treffen wir uns mit unserem Guide für unsere zweitägige Tour in das Colca Valley und den Colca Canyon. Walter ist pünktlich vor Ort (nicht der erste Peruaner der diesen Namen trägt und Tourguide ist) und erklärt uns was uns erwartet. Er wird uns um 6 Uhr früh mit dem Fahrer abholen und somit steht uns eine kurze Nacht bevor.

Wir besuchen ein kleines Pizza Restaurant Il Fornellino und unterhalten uns länger mit dem italienisch/peruanischen Besitzer. Die Pizza ist super lecker!

Pünktlich um 6 Uhr werden wir vom Hostel abgeholt. Unsere grossen Rücksäcke lassen wir im dortigen Gepäckraum, da wir nach unserer Tour zwei weitere Nächte in Arequipa und im gleichen Hostel verbringen.

Wir fahren los in Richtung Canyon. Auf der Fahrt halten wir in einem Kaffee und essen ein Sandwich und trinken einen Inka Tee mit alles frischen, gesunden lokalen Kräutern resp. Kaffee. Danach geht es weiter. Die Landschaft ist grün und trotzdem irgendwie wie eine Wüste. Wir sehen viele Vicuñas und Alpakas auf dem Weg und auch einige lokale Vögel. Walter erklärt uns die Namen und was die Tiere alles können und warum sie hier heimisch sind. Leider kann mein Spatzenhirn nicht alles speichern. Die Geschichte mit den Ur-Kamelen ist mir allerdings geblieben:

Vor Millionen Jahren, nach der letzten Eiszeit machten sich die Urkamele auf den Weg in Richtung Süden resp. Osten. Von den einen stammen die heutigen Kamele und Dromedare ab und von den anderen die Vicuñas und Guanacos. Die Vicuñas leben in den hohen Bergregionen und haben sich bestens auf die über 3’ bis 4'000 Meter adaptiert. Die Guanacos siedelten sich in den tieferen Landregionen an und ziehen seit jüngster Zeit immer weiter ins «Unterland». Warum weiss man allerdings noch nicht.

Von diesen beiden Spezies wurden die Lamas und Alpakas gezüchtet. Die Alpakas tragen bis zu 4kg Wolle am Körper und werden 1x pro Jahr geschert. Die Lamas geben weniger Wolle ab und die Vikuñas haben die feinste und exklusivste Wolle. Sie brauchen auch am längsten bis die Wolle nachgewachsen ist und werden daher nur alle zwei Jahr geschert. Essen tut man nur das Fleisch der Lamas und Alpakas wobei das letztere als das zartere gilt.

Auf dem Weg über den Pass (4'900 MüM) können wir den rauchenden Vulkan Sabancaya und neun weitere umliegende Vulkane (darunter der Hualca Hualca und Ampato) bestauenen. Irgendwie üben die Vulkane auf uns magisch.

Wir machen im Ort Coporaque Halt. Dort werden wir bei Josephina’s Familie zu Mittag essen. Sie ist eine unglaublich herzliche Frau die uns strahlend in der lokalen Tracht begrüsst. Vor dem Mittagessen machen wir eine kurze Wanderung zu lokalen Gräbern der Prä- und Inkazeit. Die Landschaft ist atemberaubend und die Inkaterrassen unglaublich anzuschauen. Viele werden heute noch genauso bewirtschaftet. Die Menschen hier können keine Maschinen einsetzen um die schwere Arbeit zu erledigen, also wird alles von Hand gemacht. Ein sehr hartes und arbeitsreiches Leben. Angebaut werden Quinoa, Weizen, Gersten, Kartoffeln (es gibt über 3'000 verschiedene Sorten in Peru) und Mais. Zudem lebt man von der Alpaka und Viehzucht.

Bei den Gräbern angekommen staunen wir nicht schlecht, als wir tatsächlich vor uralten Gebeinen stehen. Sie liegen offen in den Gräbern und teils sind die Schädel und Gebeine auf kleinen Altaren aufgebaut. Die Gräber wurden früher mit Gold, Silber und Kupfer ausgekleidet und die Spanier haben diese bei ihrer Ankunft in der Gegend leider geplündert. Daher sind die Gräber geöffnet und die Gebeine liegen einfach so offen herum. Ein seltsames Gefühl für uns über ein, nein mehrere Teile einer menschlichen Wirbelsäule zu steigen die in den Gräsern liegen… Ich werde nie richtig verstehen können wieso man Gräber nicht in ruhe lassen kann. Es ging mir auf dem Friedhof in Buenos Aires schon ähnlich. Allerdings stand ich da nicht direkt vor den Knochen.

In der Gegend gab es drei indigene Völker: 1. Wari Imperium 2. Collahua Nation 3. Inka Imperium. Die Terrassen wurden mit grösster Sicherheit von den Wari begonnen und von den Collahua erweitert. Die Inkas waren sich die Arbeit in den extremen Höhenlagen nicht gewohnt und daher wurden die höheren Terrassen von ihnen verlassen. Diese sehen heute aber trotzdem immer noch eindrücklich aus. Früher lebten in dem Tal 80'000 Menschen und somit konnten auch alle Terrassen bewirtschaftet werden. Zum Vergleich: heute leben hier noch knapp 8'000 Menschen im Colca Valley.

Unsere Reise führt uns durch Lari (ein kleines Dorf) und weiter bis nach Cabanaconde, wo wir die Nacht im kleinen Hotel Santiagos verbringen. Zu unserer Überraschung sind es die bequemsten Betten und das schönste und beste Bad seit langem auf unserer Reise und es ist WARM! Auch das Abendessen aus Alpakafleisch und Risotto sowie eine lokale Suppe mit Käse und Kartoffeln ist super lecker und zu allem gibt es sogar auch noch Wifi :D.

Am nächsten Morgen stehen wir um 05:15 Uhr in der Lobby bereit für unsere Sonnenaufgangswanderung resp. -spatziergang. Begleitet werden wir von zwei Strassenhunden. Der Weg ist sehr einfach und wir stehen vor Sonnenaufgang auf einer kleinen Aussichtsplattform am Colca Canyon. Die Aussicht ist eindrücklich und wir geniessen den Moment.

Danach geht es zurück ins Hotel wo uns bereits eines der besten Frühstücke unserer Reise erwartet :D. Um 07:15 Uhr geht es los zum Mirador Cruz del Cóndor, wo wir die Kondore bei ihrem morgentlichen Flug beobachten. Wir verbringen beinahe eine Stunde am Aussichtspunkt und sind überglücklich, dass wir so viele Kondore fliegen sehen.  Der Colca Canyon ist ein weiterer Ort, welchen wir nochmals besuchen möchten.

Zurück in unserem Hostel erhalten wir eine neues Zimmer, welches leider gar nicht dem Niveau des letzten entspricht. Es geht raus auf die Strasse und ist aufgrund der umliegenden Restaurants und Clubs sehr laut und die Fenster isolieren schlecht. Zudem ist es deutlich kälter als das letzte und das Badezimmer winzig. Das Zimmer Nr. 10 können wir also definitiv nicht weiterempfehlen. Das Zimmer 24 hätten wir jetzt auch wieder gerne ;(. Jänu, es ist ja nur für zwei Nächte.

Wir gönnen uns in der Happy Hour auf der Terrasse ein paar Drinks und unterhalten uns mit dem Barkeeper Pablo, der über unsere Spanisch-Kenntnisse ziemlich verblüfft ist. Offenbar werden wir langsam doch besser 😉.