Machu Picchu

Um 5 Uhr morgens sitzen wir als letzte beim Frühstück. Die anderen Gäste haben ihr Frühstück mitgenommen und sich bereits in die Schlange für die Shuttlebusse gestellt. Wir nehmen es gemütlich und deponieren unseren einen Rucksack bis zu unserer Rückkehr im Hostel. Um 5:40 Uhr stellen wir uns ebenfalls an und um 6 Uhr sitzen wir bereits im Bus und die Fahrt zum Machu Picchu geht los.

Sie dauert ca. 25 Minuten und führt über eine holprige Strasse. Auf dem Weg passieren wir immer wieder Wanderer, die den Weg zu Fuss erklimmen. Am Eingang zum Machu Picchu suchen wir uns einen Guide und werden schnell fündig, denn ein englisches Pärchen sucht noch jemanden für eine geteilte Tour und somit sind wir bereits kurz vor 7 Uhr im Gelände.

Eusebio führt uns etwa 1 ½ Stunden über das Gelände und erklärt uns die Geschichte des Ortes und ein wenig über die Inka. Es ist wie auf jeder Tour so, dass man sehr viel Informationen erhält, die man leider nicht alle behalten kann.

Klar ist auf jeden Fall, dass wir auf unserer Tour im Colca Canyon einige Informationen erhalten hatten, welche nicht korrekt waren. Zum Beispiel, dass die Inka sehr gross gewesen seien und nicht sehr gut mit den höher gelegenen Regionen zurechtkamen.

Die Inka waren vorwiegend Bauern und eher klein. Dies wird durch die verschiedenen gefundenen Knochen und die erhaltenen Mumien bestätigt. Auf dem Gelände sind verschiedene Gebäude zu sehen. Anhand der Bauweise kann man erkennen ob es sich um einen Speicher oder ein Haus der normalen Bevölkerung handelt (hier sind ungeschliffene Steine aufeinandergeschichtet und mit Fugenmaterial befestigt) oder um ein Haus der Königsfamilie (die Steine sind sauber geschliffen und aufeinandergesetzt). Die Tempel sind dann mit perfekt geschliffenen Steinen gebaut.

Damit es in den Wohnhäusern nicht zu kalt wurde bauten die Inka nur in den oberen Stockwerken Fenster. Dort wurden die Lebensmittel gelagert. In den Schlafräumen gab es keine Fenster, sondern aus Steinen gebaute Regale resp. Ablageflächen. Zudem wurden die Wände mit Stroh abgedeckt um Wärme zu speichern. Die Lebensmittelspeicher hatten alle Fenster um eine gute Belüftung sicherzustellen.

Machu Picchu war ein spiritueller Ort und eigentlich keine Stadt. Dennoch wohnten ca. 800 Menschen dort. Sie bewirtschafteten die Terrassen und stellten Schmuck, Kleider und andere Dinge her die bei der Ankunft der Königsfamilie gebraucht wurden. Diese lebte in Cusco und kam nur für die speziellen Rituale nach Machu Picchu.

Die ganze Anlage wurde von den Ingenieuren auf Fundamenten von 2 bis 6 Metern errichtet und mit Wasserkanälen und Ablaufsystemen versehen. Dadurch ist der gesamte Bau auch heute noch erhalten. Die Inka brauchten für das Erbauen von Machu Picchu ca. 80 Jahre. Sie konnten den Bau aufgrund der Ankunft der Spanier nicht fertigstellen.

Als die Nachrichtenträger der Inka die Ankunft der Spanier meldeten verliessen die Inka Machu Picchu. Sie nahmen alle wichtigen Gegenstände inkl. der Mumien mit und zerstörten die Verbindungsbrücken. Dadurch hatten die Spanier keine Kenntnis von Machu Picchu und der Ort geriet in Vergessenheit bis er 1911 per Zufall durch Hiram Bingham wiederentdeckt wurde.

Nach der Führung machen wir uns auf den Weg zum Sonnentor von wo aus wir einen spektakulären Blick auf Machu Picchu geniessen. Die Landschaft berührt uns und wir sind von dem Ort verzaubert. Allerdings spüren wir von den spirituellen Energien, die hier vorhanden gewesen sein müssen nichts mehr. Dies ist aufgrund der vielen Touristen eigentlich auch kein Wunder.

Apropos Touristen: Hier ein kleines Update zu den neuen Zugangsregeln, welche ab Juli 2018 in Kraft treten:

  • Es gibt zwei Schichten für den Zutritt zu Machu Picchu. Eine am Morgen und eine am Nachmittag. Wenn man den ganzen Tag auf dem Berg bleiben will muss man sich demnach 2 Tickets kaufen. Am günstigsten und einfachsten geht das über http://www.machupicchu.gob.pe/.
  • Mit ziemlicher Sicherheit wird den Gästen der Zutritt nur noch in Begleitung eines offiziellen Guides gestattet. Bei dieser Regel scheint man sich aber noch nicht wirklich sicher zu sein. Allerdings macht es absolut Sinn sich einen Guide zu nehmen, oder sich einer grösseren Gruppe anzuschliessen, da sie viel über die Geschichte des Ortes erzählen können.
  • Es ist erlaubt eine Flasche Wasser mitzunehmen. Allerdings muss man die leere Flasche auch wieder mit nach draussen bringen.
  • Auch ein kleiner Snack darf mitgebracht werden. Es dürfen einfach keine Picknicks veranstaltet werden und jeglicher Abfall muss Machu Picchu wieder mit einem verlassen.
  • Man darf eine professionelle Kamera mitbringen. Allerdings ohne Stativ und keine riesigen Objektive.

Das Gelände durch verschiedene Massnahmen verstärkt und es arbeiten internationale Ingenieure daran die vorhandenen Strukturen zu schützen. Auch werden überall Mauern und Stufen laufend in Stand gehalten. Summa Summarum lohnt sich der Besuch auf dem Machu Picchu auf jeden Fall. Wir sind allerdings der Ansicht, dass die Anzahl Touristen die täglich hier ein und ausgehen drastisch reduziert werden müsste. Zum heutigen Zeitpunkt betreten an die 7000 Personen täglich (!!) das Gelände, was definitiv zu viel ist.

Die Rückreise mit dem Panoramazug gestaltet sich dieses Mal wegen einer unglaublich lauten Reisegruppe aus Brasilien als wenig entspannend. Aufheiternd ist die Modeschau des Zugpersonals und die dauernde Betonung des Namens des Konkurrenten Inca Rail, als eine Panne eines vor uns fahrenden Zuges eben dieser Firma durchgegeben wird. Bei jedem Update wird betont, dass es sich um einen Zug von IncaRail handelt und nicht um einen ihrer Züge (PeruRail). Wir finden es äusserst amüsant und es lenkt uns etwas von den Brasilianern ab.