Bolivien

Ein Land das uns extrem überrascht und sich einen besonderen Platz in unseren Herzen gesichert hat. Im Bereich Tourismus hat sich in den letzten 10 Jahren sehr viel getan und wir sind in den letzten 8 Tagen mit sehr guter Infrastruktur und angenehmen (wenn auch kalten) Unterkünften gereist. Auch die gefürchteten Sanitären Anlagen ohne Toilettenpapier, welche uns von vielen Reisenden angekündigt worden sind haben wir so nicht resp. nur zwei Mal angetroffen. Da man viel im Niemandsland unterwegs ist, ist eine oder zwei Rollen Papier und ein Seckli für den Abfall dabei hat.

In La Paz und die grossen Verbindungsstrassen sind geteert. Die restlichen Strassen sind aus Sand, Salz, Lava- oder sonstigem Gestein. Sensiblen Mägen ist also eine Autoreise eher nicht zu empfehlen, aber es lohnt sich echt das ganze Geschüttel und Gerüttel in Kauf zu nehmen und diese unglaubliche Landschaft und Natur zu besuchen. 

Unsere Reise begann am Flughafen Uyuni wo wir von unserem Fahrer Ismael abgeholt wurden. Zuerst fuhren wir durch das unspektakuläre Uyuni über einen Aussichtspunkt von wo aus wir den Salzsee zum ersten Mal bewundern konnten, zum Ort Pulacayo. Dort besichtigten wir die Gold, Silber und Kupfermine, welche immer noch im Betrieb ist, jedoch nur noch wenig fördert. Daher ist der Ort praktisch ausgestorben. Auf dem Weg zurück zum Auto begegneten wir einem älteren Herrn. Nachdem er von Ismael erfahren hat, dass wir das ehemalige Haus des Präsidenten, die Miene und die Kirche nur von aussen gesehen haben, da alles geschlossen war (Sonntag halt) verwirft der Herr die Hände und sagt: Ich habe doch die Schlüssel, ihr müsst halt den Richtigen finden und fragen! Er spurtet los und holt aus seinem Haus die Schlüssel für die kleine Kirche, welche wir dann besichtigen dürfen. Ein typisches Beispiel für die Bolivianische Offen- und Herzlichkeit.

Danach fuhren wir zurück nach Uyuni zum Mittagessen und wir machten einen kurzen Spaziergang durch die wie gesagt unspektakuläre Stadt. Danach besuchten wir den Handwerksmarkt in Colchani und durften bei einem Salzproduzenten zuschauen, wie hier noch auf alte Weise das Salz verarbeitet wird. Unsere erste Nacht verbringen wir im Palacio del Sal, einem Hotel, dass komplett aus Salz gebaut wurde. Es ist spektakulär und trotz der Saukälte in unserem Zimmer, welches dann Gottseidank über Heizdecken im Bett verfügt, sind wir happy.

Der zweite Tag unserer Reise führt uns auf den Salar de Uyuni und schon die ersten paar Meter lassen uns mit offenen Mündern nach Luft schnappen. Wir sind überwältigt von der Schönheit. Das Salz fühlt sich an wie Schnee unter den Füssen und ist genauso hell und weiss. Wir machen viele Stopps, fischen in Ojos de Sal (Salzaugen) nach Salzkristallen, besuchen das Dakar Monument das 2014 bei der ersten Austragung in Bolivien errichtet wurde und das erste Salz Hotel, welches seit 2001 geschlossen ist. Auf dem Weg zur Kaktusinsel Incahuasi sehen wir in der Ferne etwas, das wie eine Insel mit einer Schneekuppe ausschaut. Wir fragen Ismael danach und er sagt lachend: Das ist keine Insel, das ist die Grenze zu Chile und demnach die Cordiliera! Die Cordiliera ist eine Gebirgskette und alles andere als klein hahahaha. Dies gibt einen kleinen Einblick wie riesig hier alles ist.

Auf Incahuasi angekommen essen wir zu Mittag. Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg die Insel, Kakteen und den Salar über den ausgeschilderten Fussweg zu erkunden. Marco und ich bestehen nur noch aus den Worten «Wow», «Krass», «Fantastisch», «Mega» und «Unglaublich», welche wir dann für Ismael auf Spanisch übersetzen ‘grins’. Die grössten Kakteen sind über 9 Meter hoch. Ein Kaktus wächst pro Jahr ca. 1 cm somit sind diese Riesen über 900 Jahre alt…. Wir sind hin und weg und Ismael strahlt vor Freude, weil es uns so gut gefällt.

Wir machen einen weiteren Abstecher zur etwas grösseren, aber nicht auf Touristen ausgerichteten Kaktusinsel «Pescadores». Dort können wir etwas rumspazieren und lustige Salarfotos machen. Insgesamt gibt es 22 Inseln innerhalb des Salzsees. Danach machen wir uns auf den Weg nach Tahua, am Fusse das inaktiven Vulkanes Thunupa, wo wir heute Nacht schlafen werden. Nach dem Abendessen bestaunen Marco und ich draussen vor dem Hotel den Sternenhimmel. Man kann die Milchstrasse von blossem Auge aus sehen! 

Den dritten Tag verbringen wir nochmals auf dem Salzsee. Heute allerdings auf dem kleineren Salar de Coipasa. Hierfür umrunden wir den Vulkan Tahua auf dem Landweg und somit über Schotter- und Sandpisten. Wir begegnen einer Cholita (so nennt man die Frauen in traditioneller Kleidung mit Rüschenunterrock und dem ganzen Gepäck im bunten Tuch auf dem Rücken) mit einer Herde Lamas und Schafen (inkl. drei Hirtenhunden), fahren an vielen Quinoafeldern vorbei (die Menschen leben hier vom Verkauf & Export von Quinoa und Lamafleisch) und durchqueren Pueblos (Dörfer) in welchem wir keinen Menschen mehr vermutet hätten, die jedoch voll bewohnt sind. Die Häuser sind meistens aus Lehmziegeln gebaut und die Dächer aus Kaktusholz und Gräsern. Die neueren Bauten sind aus Backsteinen und haben entweder Wellblech- oder Ziegeldächer.

Die Fahrt dauert beinahe drei Stunden. Als wir den Salar de Coipasa erreichen sind wir aus zwei Gründen sprachlos: 1. Wir können ihn nicht betreten/befahren/durchqueren, weil sehr viel Wasser drauf liegt. 2. Uns die Schönheit der Landschaft den Atem verschlägt und sich auch noch im eben genannten Wasser spiegelt. Wir machen viele Fotos und sind sehr glücklich mit unserem Ausflug.

Auf dem Rückweg können wir Lamas, Vicunas und Flamigos bestaunen. Zurück im Hotel sind wir erledigt und ruhen uns vor dem Abendessen noch etwas aus, denn heute Nacht geht es zum Sternenschauen auf den Salar de Uyuni! Wir haben unsere ganze Bolivien Reise auf diesen Moment hin vorbereitet. Heute Nacht scheint nämlich KEIN Mond und wir sollten daher nur so von Sternen umhüllt werden.

Um 21 Uhr steigen wir dick verpackt ins Auto und düsen raus auf den Salar. Es ist ein einmaliges Erlebnis! Das Salz schaut aus wie Schnee und Eis und der Sternenhimmel umhüllt uns wie eine Kuppel und wir können die Milchstrasse von blossem Auge aus sehen. Marco und ich sind sprachlos und staunen nur noch Löcher in den Himmel. Natürlich müssen auch Fotos gemacht werden und da dies mit dem Handy nicht mehr machbar ist, kreiert Marco seine ersten Astrofotos. Es ist saukalt und Ismael verkriecht sich die meiste Zeit im Auto bis die Suizos – natürlich beide mit Stirnlampe bewaffnet – mit den Fotos zufrieden sind und wieder zu ihm ins Auto klettern.

Am vierten Tag haben wir eine Wanderung auf den Vulkan Thunupa geplant. Die Fahrt über den Salar und dann über eine Mörderschotterundgeröllpiste rauf zum Ausgangspunkt der Wanderung dauert ca. 1 Stunde. Der Aufstieg soll ca. 2-3 Stunden und der Abstieg 1-2 Stunden dauern.

Es ist echt streng in so einer Höhe (über 4000 Meter) eine eigentlich nicht soooo steile Wanderung zu machen. Ich gebe in der Hälfte des Weges auf und warte in der Sonne auf einem Stein bis Marco (mit Herzklopfen aber zielstrebig) und Ismael (der wie ein bolivianisches Berggämschi den Berg raufhüpft) nach dem Besuch des Miradors wieder absteigen.

Zwei Stunden später ist es soweit und wir steigen zu Dritt wieder ab. Unten angekommen essen wir zu Mittag (mit einer Wahnsinnsaussicht auf den Salar de Uyuni) und nehmen danach den weiten Weg nach San Pedro de Quemes (einem weiteren Kaff mit halbfertigen und eingestürtzten Lehmhäusern) in Angriff. Die Schotter- und Sandpisten inkl. Gerüttel schaffen uns echt mehr als der Aufstieg auf über 4000 Meter….

Das schöne Hotel entschädigt uns jedoch für die Strapazen und beim Abendessen unterhalten wir uns erstmals alle drei so richtig über Gott, die Pachamama (lokale Göttin der Erde) und die Welt. Es ist ein schöner Abend und wir geniessen es alle drei.

Am fünften Tag besuchen wir den Salar de Chiguana, sehen den Vulkan Tomasamil und den aktiven und rauchenden Vulkan Ollagüe und können dort auch die Steinformationen aus Lava besuchen. Weiter geht es zu den Lagunen Cañapa, Hedionda, Ch’arkota und Honda wo wir Flamingos beobachten können. 

Unser Hotel (Tayka del Desierto) liegt mitten in der Desierto de Siloli. Dahin führt eine Piste aus Sand und wir staunen nicht schlecht, als wir vor einem Hotel mit einem super Standard anhalten. Es ist zwar saukalt (-5 Grad nachmittags um 17 Uhr) aber sehr schön. Der Rezeptionist meint, dass die Temparaturen in den Wintermonaten Juni/Juli/August auf -30 Grad fallen. Für die lokalen ist es unverständlich, dass die europäischen Touristen genau dann bei ihnen übernachten ‘grins’. 

Beim Abendessen sitzen wir einmal mehr in unseren Daunenjacken am Tisch (auch Ismael) denn ausser ein paar Gasbrenner wärmt hier gar nichts. Der Ofen sei leider ausgefallen der sonst das Restaurant wärmt sagt einer der Kellner entschuldigend. Wir sind uns das ja bereits seit Beginn unserer Reise gewohnt und witzeln mit den Angestellten, dass wir ja ein Riesenglück hätten das der Ofen genau jetzt ausfällt 😉. Die Kellner stellen sich mit Namen vor als wären wir in einem 5-Sterne-Restaurant in Paris, was in dieser Konstellation unglaublich komisch ist.

Dank den Spezialdecken auf den Betten verbringen wir eine gute Nacht.

Kurz nach 8 Uhr machen wir uns am sechsten Tag auf den Weg zum Arbol de Piedra. Die ca. 40 Minütige Fahrt führt einmal mehr über eine Sand- und Steinpiste. Danach geht es weiter zu verschiedenen kleineren Lagunen und zum Star des heutigen Tages der Laguna Colorada. Hier können wir nicht nur die vielen Farben der Lagune (welche durch Mineralien der Algen entstehen) sondern auch Flamingos und Lamas in der freien Natur bewundern. Es ist sehr kalt und ein Wind weht. Wir sind also mit Daunenjacken, Mützen und Handschuhen unterwegs. Danach geht es weiter zur Desierto de Dalí, welche uns unglaublich beeindruckt. Es ist tatsächlich als würde man in einem seiner Gemälde stehen. Zum Abschluss besuchen wir die Laguna Blanca und Laguna Verde am Fusse des Vulkans Licancahur. Danach fahren wir zurück zu den heissen Quellen und essen zu Mittag.

Die Natur hat uns heute überwältigt und wir sind auf der ca. dreistündigen Fahrt zu unserer Unterkunft in Quetena Chico (absolutes Basis Hostel einer bolivianischen Familie) total erledigt. In der Unterkunft ist es sauber aber kalt und wir entschliessen uns dazu heute in unseren Schlafsäcken zu übernachten.

Anstatt auf den Uturuncu zu klettern, verbringen wir unseren heutigen Morgen an der Laguna Colorada und essen dort auch zu Mittag. Wir bestaunen die vielen Flamingos (drei verschiedene Arten gibt es: Flamingo Andino, Flamingo Chileno und Flamingo James) und alle sind in der Lagune vertreten! Heute hat es deutlich mehr Flamingos als bei unserem ersten Besuch. Wir können die Tiere lange beobachten und machen viele Fotos und Videos. Auch die Lamas sind wie immer vertreten (lebendig und tote brrr).

Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg nach Villa Mar wo wir unsere letzte Nacht auf der Rundreise verbringen. Villa Mar ist ein grösseres Pueblo im Altiplano und die meisten Leute leben hier ohne Heizung und auf sehr niedrigem Standard. Das Dorf hat zwar Strom und die meisten haben fliessend Wasser (was bei weitem nicht in allen Dörfern so ist) aber sobald die Sonne untergeht ist es bitter kalt. Wir sitzen wie immer in voller Daunenjackenmontur beim Abendessen und ausser der Suppe gelangt nichts warm in unseren Magen so kalt ist es 😉. In unserem Zimmer gefriert das Fenster mit dem Kondenswasser von innen! Trotzdem schlafen wir verhältnismässig gut. Wir sind beinahe jeden Abend bereits um 20 Uhr im Bett, denn wirklich etwas machen kann man hier nicht und einen Fernseher oder Internet gibt es auch nicht und bei dieser Kälte ist es im Bett am wärmsten.

Auf der Rückfahrt nach Uyuni am letzten Tag unserer Reise besichtigen wir noch die Borax Lagune, die für uns nichts mehr mit einer Lagune zu tun hat, sondern eher wie eine umgegrabene Mondlandschaft ausschaut, und die moderne Miene San Cristobal. Dies ist eine der neusten Mienen in Bolivien. Sie wird von der Oberfläche her abgebaut und verfügt über die neusten technischen Installationen. Hier wird Silber, Gold und Kupfer abgebaut. Wir essen in einem Restaurant in San Cristobal zu Mittag und sind nach einigen Tagen ohne WiFi wieder mal kurz mit der Welt verbunden. Gegen 15 Uhr sind wir in Uyuni und nach einem Drink in der Sonne machen wir uns dann auf den Weg zum Flughafen. Dort verabschieden wir uns gegen 16:30 Uhr nach 8 Tagen von unserem Fahrer Ismael.

Unser Flieger soll erst um 20:40 Uhr fliegen und somit verbringen wir einige Stunden in der kalten Wartehalle. Immerhin gibt es Wifi und so können wir etwas Whatsappen und Internetlen. Eine Gruppe pupertierender amerikanischer Teenager stürmt den Flughafen und Marco und ich sind von der limitierten Denkweise der jungen Menschen etwas irritiert. Die ganze Gruppe ist auf unserem Flieger ‘juhu’. Beim Check-in wird dann bestätigt, dass der Flieger 40 Minuten Verspätung hat. Somit bestellen wir im Flughafenkaffee einen Teller Spaghetti Napoli und geniessen ein weiteres bolivianisches Essen (immerhin heute bis zur Hälfte warm hahahaha). Danach können wir durch die Sicherheitskontrolle. Diese wird Manuell vorgenommen. Zwei durchsuchen das Handgepäck und einer ist für den Bodyscanner zuständig. Im Warteraum ist es ebenfalls kalt und wir sind froh, als wir im sehr warmen Flieger sitzen. Der Flug verläuft problemlos und auch die Teenies verhalten sich anständig.

In La Paz angekommen erwartet uns ein Fahrer, welcher uns zum Hotel bringt. Wir haben es beide vergessen, dass uns ja jemand abholt und sind angenehm überrascht. In La Paz findet heute Nacht ein Umzug statt (so eine Art Sechseläuten) der als Probe für den nächsten Sonntag (26. Mai) dient an welchem dann 70 Musik- und Tanzgruppen durch die Strasse vor unserem Hotel ziehen. Die erste Gruppe passiert um 7 Uhr morgens die Strasse und die letzte gegen 2 Uhr früh! Summasumarum heisst dies, dass wir mit dem Fahrer in einer Seitenstrasse halten und dann zu Fuss zum Hotel gehen. Die Musik und Kostüme sind toll, was uns schockiert sind die zur Bewusstlosigkeit betrunkenen Männer (Frauen eigentlich nicht). Einer knallt gegen einen Lastwagen und kann ohne die Hilfe seines Kollegen nicht stehen und der andere liegt Gesicht voran in der Seitengasse. Wohl bemerkt ist es auch in La Paz sehr kalt und das wird sicher kein angenehmes Erwachen. Wir kommen gut im Hotel an, beziehen unser Zimmer und legen uns nach einer heissen Dusche gegen 24 Uhr ins Bett.