Tigre Delta

Am Sonntag, 4. Februar machen wir uns auf den Weg nach Tigre, das Flussdelta von Buenos Aires. Normalerweise fährt vom Hauptbahnhof Retiro aus alle 10 Minuten ein Zug, aber da wir ja in Südamerika sind fährt dieser Zug bis zum 14. Februar nicht ab Retiro sondern erst ab Rivadavia. Da Tigre unter den Porteños ein sehr beliebtes Ausflugsziel für das Wochenende ist (wie wir sehr bald merken werden) sind wir nicht die einzigen die Hilfe brauchen. Die Angestellten sind sehr hilfreich und es gibt ein gratis Collectivo (Linienbus) der ab der Plaza San Martin fährt. Wir dackeln also einfach den anderen Reisenden nach und finden uns so problemlos zurecht. Der Bus und der darauffolgende Zug sind rappelvoll und gibt uns einen Vorgeschmack auf das was uns in Tigre erwartet. Kaum ausgestiegen wimmelt es vor Menschen :-/.
Wir haben ein B&B reserviert, welches in der Nähe des Bahnhofes liegt. La Nelida ist einfach zu finden und nachdem wir Vilma (die Dame des Hauses) für CHF 4.- (Reminder dafür, dass wir uns eine argentinische SIM Karte kaufen sollten…) angerufen haben, wird uns mit argentinischer Gastfreundschaft die Tür geöffnet, ein freudestrahlendes ¡Holaaaaaaaaaa! entgegen geschmettert und als erstes ein Willkommens Besito aufgedrückt. Wir verlieben uns sofort in Vilma, gefolgt vom älteren Sohn Esteban und dem Papa Lalo. Der jüngere Sohn arbeitet und wir sehen ihn erst am nächsten Morgen. Er saust mit einem ¡Hola! ¿Qué tal? an uns vorbei, drückt jedem ein Beso auf die Backe und düst zur Tür raus. Er hat verschlafen und muss zur Arbeit 😊.   

Summa Sumarum ist Tigre Samstag/Sonntag zu meiden und unter der Woche zu besuchen. Die Horden von Menschen erinnern uns ans Züri Fäscht oder Silvester Zauber. Am Montag sind die Leute weg und wir haben das Städtchen sozusagen für uns. Es ist drückend heiss und wir müssen das B&B wechseln, da Vilma leider nur für eine Nacht Platz hatte. Wir ziehen zwei Strassen weiter zur Casa de Ruchi. Ein Familienanwesen mit 6 Zimmern, einem riesen Garten mit Pool und Hühner sowie dem Hund Picasso. Wir bekommen das Zimmer Nr. 1 und kauderwelschen uns mit unserem Spanisch durch. So oder so haben wir in den letzten 36 Stunden mehr Spanisch gesprochen als in den vergangenen zwei Wochen und sind mega happy endlich mit den Locals in Kontakt zu sein. Wir machen einen Spaziergang durch das Städtchen und am Nachmittag eine Bootstour durch das Delta. Nach einem späten Mittagessen gehen wir zurück ins B&B und hüpfen in den Pool. Wir wissen nicht so genau ob all die anderen Leute am Pool alles Gäste oder Freunde der Familie sind. Egal, wir fühlen uns wohl und die Moskitos mögen uns auch ‘grins’.

Am Dienstag machen wir mit Delta Unplugged einen Tagesausflug durch das Delta. Die Tour wurde uns von einer Kollegin empfohlen und wir sind gespannt! Wir sind sechs Gäste und wir machen die ganze Tour auf Spanisch. Unsere Mitreisenden sind Ruben und Berta mit ihrer Tochter Alma und deren Freundin MaFer (Maria Fernanda) aus Peru. Schon beim Wassertaxi lernen wir uns kennen und die Chemie stimmt sofort. Wir vereinbaren einen Mix aus Spanisch und Englisch und verstehen uns super. Das Wassertaxi bringt uns durch die Kanäle zum Haus unserer Gastgeber Ana und Ralph. Da wir alle zu früh am Treffpunkt waren (man merke, nicht nur die Schweizer sind überpünktlich) und demnach auch zu früh bei Ana und Ralph eintreffen, sind die beiden etwas überrumpelt, empfangen uns aber bereits strahlend mit ihren Hunden am Steg. Nach einer ersten Begrüssungsrunde startet Ana mit der Führung durch das Grundstück, dessen Geschichte und mit vielen Informationen zum Flussdelta. Wir machen alles auf Spanisch mit und fragen nach wenn wir etwas nicht verstehen. Ana ist gelernte Tourismusfachfrau und in Buenos Aires geboren und aufgewachsen. Ralph ist gelernter Koch und in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Er verwöhnt uns mit frisch gebackenem Brot und Zopf (einer der besten den wir je gegessen haben – Marco schwärmt noch den ganzen Tag davon), Auberginenkonfitüre, Dulce de Leche und Honig aus dem Delta.

Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es mit dem Boot los und wir tuckern durch die verschiedensten Kanäle. Ana erklärt uns viel über die Tier- und Pflanzenwelt im Delta und wie sie im Delta leben. Zum Mittagessen ankern wir in einem ruhigen Kanal und Ralph kocht auf dem Boot für uns. Es ist herrlich und wir geniessen es! Unglaublich was Ralph mit seiner mobilen Gasküche auf diesem Boot hervorzaubert! Nach einer kurzen Weiterfahrt legen wir an und können an einem kleinen Strand im Delta baden und die sanitären Einrichtungen benutzen. Das Wasser ist herrlich erfrischend und wir würden gerne noch länger planschen doch es ist schon bald wieder Zeit aufzubrechen. Wir fahren zurück zum Haus und Marco und ich lernen die Kultur rund um den Maté Tee kennen und trinken unsere ersten Schlucke vom vielerorts sehr beliebten Tee. Unsere südamerikanischen Reisebegleiter können es nicht wirklich fassen, dass wir bei den ersten Schlucken nicht das Gesicht verziehen und es eklig finden :D. Der Tee schmeckt etwas bitter und erinnert uns an den Geschmack von Süssholz. Um 17:30 Uhr heisst es sich verabschieden und das Wassertaxi bringt uns zurück nach Tigre. Dort verabschieden wir uns von Ruben, Berta, Alma und MaFer und machen uns zu Fuss auf zum Bahnhof Tigre. Mit dem Zug fahren wir nach Buenos Aires zurück.

Anmerkung: Die Züge fahren nur am Wochenende nicht direkt von Retiro nach Tigre! Da wir das erst verstehen als wir bei Rivadavia ausgestiegen und einen verdatterten aber netten Polizisten nach dem Collectivo fragen, welches unter der Woche natürlich nicht fährt..., nehmen wir dann den darauffolgenden Zug nach Retiro und sind gegen 21:30 Uhr wieder zu Hause. Da werden wir von einem Infozettel des Kammerjägers und passend dazu einer fetten Kakerlake im Hauseingang begrüsst. Wir werden informiert, dass morgen um 9:15 der Kammerjäger kommt und die Wohnungen desinfiziert. Müde aber glücklich sinken wir heute ins Bett und schlafen tief und fest.

Sibylle ZurbriggenComment