Puerto Natales & Torres del Paine W-Trek

Um 8:20 geht unser Bus. Wir finden uns rechtzeitig am Bus Terminal ein und es kann losgehen. Die Fahrt dauert offiziell ca. 5 Stunden jedoch muss man aus Argentinien ausreisen - also alle raus aus dem Bus und rein zum Grenzbeamten, Stempel in den Pass drücken und wieder rein in den Bus – und in Chile einreisen. Da wir nicht der einzige Bus sind ist das ist dann eine etwas längere Prozedur. Die Chilenen nehmen es SEHR genau und jeder Bus und jedes Gepäckstück wird mit Hund durchsucht. Es dürfen keine Früchte, Gemüse, Milchprodukte, getrocknete Früchte usw. eingeführt werden. Alles in Allem brauchen wir beinahe zwei Stunden für die Grenzübergänge. Danach ist es ein Katzensprung bis Puerto Natales. Vom Bus Terminal gehen wir zu Fuss bis zu unserem Hostel (Yaganhouse) was ca. 15 Minuten dauert.

Wir nutzen die zwei Tage in Puerto Natales um uns auf den W-Trek im Torres del Paine Nationalpark vorzubereiten. Die Bus Tickets für den Transfer zum Park können wir im Hostel kaufen, zudem Besuchen wir den gratis zugänglichen Talk von Erratic Rock (sehr empfehlenswert) und kaufen Essen für unterwegs ein.

Am Abend gehen wir im El Bote (Seafood) etwas essen und geniessen einige Drinks bei Matt und Kiera im Last Hope (La Distilleria). Die beiden sind aus Australien und haben in Puerto Natales eine Gin und Whiskey Destillerie aufgemacht inkl. Bar. Die Bar hat eine grosse Auswahl an Gin und Whiskey aus der ganzen Welt. Die Flaschen kommen allerdings jeweils mit den Familienangehörigen der Besitzer und Mitarbeiter ins Land und daher freut sich Matt besonders, wenn man ihm eine Flasche oder zwei mitbringt, wenn man ihn besucht. Importe nach Chile sind schwierig 😉. Müsst ihr unbedingt besuchen falls ihr irgendwann einmal in Puerto Natales seid!

Am nächsten Morgen machen wir uns mit einem dreifach wasserfesten Rucksack und einem ebenfalls wasserfesten Foto-Rucksack auf den Weg zum Bus Terminal. Hier beginnt bereits unser erstes Abenteuer den der Bus mit unserem Rucksack fährt ohne uns los. Wir sind einmal mehr froh, dass wir uns auf Spanisch verständigen können und es wird uns versichert, das wir unser Gepäck an der Administration wieder finden. Es braucht heute zwei Busse da so viele Leute in den Park wollen und daher sei es halt so gekommen, dass wir im einen und unser Rucksack im anderen Bus ist. Naja, also ohne den Rucksack könnten wir das Trekking nicht machen aber was solls ‘grins’. Wir ab in den Bus und unserem Rucksack-Bus hinterher.

Bei der Administration (alles raus aus dem Bus, Schlange stehen um Park Eintritt 21'000 CLP pro Person für nicht Chilenen bezahlen) bildet sich eine richtig lange Warteschlange. Ich frage bei unserem Bus Fahrer nach unserem Rucksack Bus. Er blabbert irgendwas mit ja da vorne steht er und ihr könnt das Gepäck nachher holen. Wir ignorieren das «nachher holen» und holen den Rucksack gleich aus dem Bus :D. Der andere Fahrer entschuldigt sich noch das er ohne uns losgefahren ist und soweit ist alles gut.

Nach über einer Stunde Wartezeit haben wir bezahlt, das Info Video über das Verhalten im Park gesehen und der Dame die das Video vorführt Beine gemacht, da wir nicht wieder zurückgelassen werden wollen und sitzen wieder im Bus. Nach ca. 30 Minuten Fahrt erreichen wir unsere Station Pudeto. Der 11 Uhr Katamaran ist natürlich ohne uns losgefahren und der nächste fährt offiziell erst um 16:15 Uhr. Wir machen also eine kleine Wanderung und als wir zurückkommen stellen wir mit Erstaunen fest, dass die restlichen Reisenden weg sind. Offenbar ist doch nochmals ein Katamaran gekommen. Wir ärgern uns kurz und als der Katamaran um 14 Uhr zurückkommt sprechen wir mit der Crew. Sie entschuldigen sich, machen aber trotzdem erst Mittagspause und fahren uns dann nach 16 Uhr zum Torres del Paine Camping – Paine Grande.

Wir verbringen 2 Nächte auf dem sehr windigen Camping Paine Grande. Man kann den Wind hören wie er über dem See anrauscht, dann saust er mit voller Wucht über das Camp und wieder über den See davon. Unser Zelt (Hubba Bubba von MSR) hält alles gut aus. Das Zelt im Windschutz des Refugios aufzubauen ist zwar gut, allerdings sollte man es etwas weiter Weg vom Eingang platzieren als wir das getan haben. Denn in der ersten Nacht schlafen wir allerdings aufgrund von lärmenden und feiernden chilenischen Guides praktisch nichts.

Am ersten Tag machen wir eine Tageswanderung zum Grey Gletscher. Die Wanderung dauert vier Stunden pro Weg und wir spüren unsere Beine ordentlich als wir zurück sind. Den Gletscher und die abgebrochenen Eisberge zu sehen entschädigt uns aber für alle Strapazen. Es ist windig, teils sonnig und relativ warm. Zwischendurch regnet es ein bisschen. In der Nacht regnet es relativ stark und es windet wieder ordentlich. In dieser Nacht schlafe ich sehr gut und Marco immerhin ein wenig.

Am zweiten Tag geht es weiter zum Camping Los Cuernos. Die Route führt an Seen und verschiedenen Steinformationen vorbei. Nach ca. 2,5 Stunden kommen wir beim Camping Italiano an. Hier lassen wir unseren grossen Rucksack zurück und steigen 1,5 Stunden zum Mirador Frances im «Val Frances» auf. Von hier aus hat man eine Sicht auf den Gletscher «Glaciar del Frances», die Berge «Mascara», «Cuerno Norte» und «Cuerno Principal» Und auf den Lago Nordenskjöld. Auch hier ist die Aussicht die Strapazen des Auf- und Abstieges wert. Wieder unten angekommen nehmen wir den restlichen Abschnitt (ca. 2,5h) bis zum Camp Los Cuernos in Angriff.

Es ist sehr warm heute und da wir uns direkt unter dem Ozonloch befinden ist die UV Strahlung hier in der Region sehr hoch. Trotz Sonnenschutz Faktor 50 (den wir immer wieder einstreichen) holen wir uns einen leichten Sonnenbrand auf der Nase ;(. Im Camping haben wir eine Premium Plattform gebucht was heisst, dass wir heute kein Zelt aufbauen müssen und in einem grossen und komfortablen Zelt nächtigen. Wir schlafen gut und machen uns am nächsten Tag ausgeruht auf den Weg zum Camp Chileno. Dieses liegt am Fuss der berühmten Bergspitzen die dem Nationalpark seinen Namen gegeben haben, den «Torres del Paine»: «Torre Central», «Torre Monzino oder Torre Norte» und «Nido de Condor». Das Wetter ist wieder sehr gut. Man muss wissen, dass es in Patagonien eigentlich nicht üblich ist, dass man keinen Tag mit sehr starkem Regen oder sogar Schnee hat. Wir haben also ausserordentlich Glück mit dem Wetter.

Im letzten Drittel des Weges beginnt es dann etwas zu regnen, aber es ist so minim, dass es sich nicht ansatzweise lohnt eine Regenjacke rauszuholen. Die etwas mehr als 5 Stunden Weg haben es in sich. Vor allem der letzte Abschnitt vor dem Camp fordert uns (vor allem mental), denn der Weg geht ziemlich steil bergauf und fällt dann zum Camp hin wieder stark ab. Am Ziel angekommen fragen wir mal nach einer Plattform mit Zelt, da wir irgendwie keine Lust haben jetzt noch ein Zelt auf einer Holzplattform anzunageln. Kein Scherz! Man bekommt einen Eimer mit Nägeln und Hammer und dann werden anstatt Heringen Nägel zum spannen des Zeltes verwendet. Wir bekommen ein kleines 2er Zelt und nisten uns ein. Wir wollen am nächsten Morgen um 4 Uhr auf die Torres aufsteigen um den Sonnenaufgang zu erleben und logischerweise zu fotografieren.

Ich habe mir eine Erkältung eingefangen und versuche mich mit den wenigen Hilfsmitteln die ich dabei habe aufzupäppeln. So nah an den Torres zu sein und dann nicht aufsteigen zu können würde mich doch sehr wurmen. Um 3.30 Uhr wachen wir auf und ich fühle mich soweit gut. Wir ziehen uns an, packen die Schlafsäcke und so ziemlich alle warmen Kleider die wir haben in den grossen Rucksack und machen uns auf den Weg.

Der Aufstieg dauert 2 Stunden und geht kontinuierlich und steil bergauf. Wir sind nicht die Einzigen und so zieht sich eine Kette von Stirnlampen die wie Leuchtkäfer aufblinken den Berg hinauf. Kurz vor 6 Uhr sind wir bei der Lagune am Mirador de Las Torres angekommen. Marco installiert seine Kamera und ich krieche mit allen Schichten in meinen Schlafsack.

Der Himmel ist klar und um die Torres sind beinahe keine Wolken zu sehen. Als um 7 Uhr die ersten Sonnenstrahlen auf die Torres fallen geht das Fotografieren los. Es ist ein imposanter Moment und wir werden einmal mehr für die Strapazen entschädigt. Leider stehen vor der Sonne einige Wolken und so kann sich die orangene Farbe auf den Torres nicht ganz entfalten, aber dennoch ist es herrlich schön. Der folgende Abstieg ist dann sehr anstrengend und fühlt sich doppelt so lang an wie der Aufstieg… Unten angekommen packen wir unseren Rucksack und machen uns nach einer Mittagspause auf den Weg zu unserem letzten Stopp dem Campamiento Las Torres und somit dem Ende unseres ersten Trekkings auf unserer Reise.

Die Sonne scheint heiss vom Himmel und fördert unseren Sonnenbrand ‘autsch’. Der Camping ist riesig und wir suchen uns einen schönen Platz wo wir unser Zelt aufbauen. Der Rest des Tages verläuft mit Ausruhen und Einweihen unseres Campingkochers ruhig.

In der Nacht ist es feucht und kalt und Marco erkältet sich leider auch. Mit triefenden Nasen und Sonnenbrand sitzen wir dann um 14 Uhr im Bus der uns zurück zum Park Eingang bringt, wo wir den Bus nach Puerto Natales besteigen.

Zurück im Hostel beziehen wir unser «altes» Zimmer und belohnen uns mit einem SUPER Essen im Restaurant Sentolla und einer leckeren Flasche Weisswein.

 

Sibylle Zurbriggen2 Comments